Viele Arbeitnehmer erledigen derzeit ihren Job im Der Wecker klingelt später, kein Kantinenessen und die Kinderbetreuung ist auch gesichert. Home-Office kann Vorteile haben. Auf der anderen Seite aber auch klare Nachteile – auch, was sie Karriere betrifft. Wir haben Pro und Contra aufgelistet.

DIE 5 WICHTIGSTEN VORTEILE VON JOBS IM HOME-OFFICE

  1. Zeitersparnis
    Während sich die Kollegen, die im Büro arbeiten, am kollektiven Rushhour-Wahnsinn beteiligen, kann man sich noch einmal genüsslich strecken und langsam wach werden. Die Fahrt in vollen Bussen und Bahnen oder das Stehen im Stau mit anschließender, nerviger Parkplatzsuche entfällt. Das bringt gleich zwei Vorteile. Denn öffentliche Verkehrsmittel sind oft die reinsten Virentaxis. Und auch im Büro ist die Ansteckungsgefahr durch Kollegen naturgemäß höher als am heimischen Schreibtisch. Dazu sparen Heimarbeiter durch die ganze Pendelei und Parkplatzsuche Geld für Benzin und Lebenszeit. Wenn der tägliche Arbeitsweg 10 m statt 30 km beträgt, ist das schnell mal eine gewonnene Stunde pro Tag. Auf Dauer kommt da so einiges an ersparter Zeit zusammen – wenn man sie nicht direkt wieder bei Facebook & Co. vertrödelt. Aber das Thema „Ablenkung“ steht auf einem anderen Blatt.
  2. Flexibilität
    Die Schulaufführung des Sohns ist mitten am Tag – warum nicht ein bis zwei Stunden dort verbringen und die Zeit am Abend dranhängen? Der Arzt hat nur einen Termin um 11 Uhr frei? Die Handwerker haben sich angekündigt, ohne eine konkrete Zeit zu nennen? Für Heimarbeiter sind diese Termine deutlich besser zu koordinieren als für den klassischen Bürogänger. Dabei gibt es allerdings einige Regeln zu beachten: Das Arbeitspensum muss erfüllt werden, Termine sind keine Deko im Kalender. Sehr hilfreich ist auch eine klare Ansage an die Kollegen, wann man am Schreibtisch sitzt und wann nicht – das erleichtert die Absprache und beugt Gerede vor.
  3. Work-Life-Balance
    Die Kinder sind zu groß für den Hort, aber den ganzen Nachmittag allein sollen sie auch nicht sein? Die Betreuung hat Ferien, der Wintergarten sieht verlockend aus oder der Hund braucht Gesellschaft? Das Home-Office bietet die perfekte Grundlage für eine gute Work-Life-Balance. Das führt nicht zuletzt dazu, dass viele Eltern mit der Möglichkeit zum Home-Office früher aus der Elternzeit zurückkehren. Natürlich kommt es stark auf den Wortteil „Balance“ an: Das (Privat-)Leben darf nicht Überhand nehmen. Wenn der Nachwuchs alle zehn Minuten bespasst werden will oder der Partner dauernd Redebedarf hat, kommt man zu gar nichts. Konzentrationsphasen und vor allem -möglichkeiten sind auch zu Hause Pflicht.
  4. Stressreduktion
    Apropos Konzentrationsphasen: Es kann so angenehm sein, wenn der Kollege nicht ständig seine Witze reißt, nicht ewig das Telefon klingelt und man nicht dauernd Angst hat, zu spät zu kommen – zum Meeting, zur Arbeit, zum Termin. Wenn einem nicht permanent der Chef über die Schulter schaut und der Krach aus dem Großraumbüro an den Nerven zehrt. Damit ist das heimische Büro eine effektive Burnout-Prävention – allerdings nur, wenn man nicht im Gegenzug rund um die Uhr erreichbar sein muss oder das Telefon dann alle zwei Minuten in der eigenen Wohnung klingelt.
  5. Reduzierte Kosten
    Arbeiten kostet – nicht nur den Arbeitgeber. Tägliche Fahrten, Kleidungs- und Reinigungskosten, Kantinenessen oder der traditionelle Pausenkaffee mit den Kollegen gehen auf Dauer ins Geld. Das kann auch die Pendlerpauschale bei der Steuererklärung nicht rausreißen. All das sind Kosten, die bei Jobs im Home-Office nicht anfallen. Wenn man allerdings extra für den Home-Office-Job eine größere Wohnung braucht, hat sich das Plus in der Geldbörse wieder erledigt. Es sei denn, man verhandelt noch einmal nach, weil der Arbeitgeber ja keinen Schreibtisch zur Verfügung stellen muss und damit Büromiete spart.

UND DAS SIND DIE 5 GRÖSSTEN NACHTEILE VON JOBS IM HOME-OFFICE

  1. Fehlen von sozialen Kontakten
    Wer den täglichen Austausch am Kantinentisch, die kurze Absprache mit dem Kollegen am Nebentisch oder die Inspiration von einem motivierenden Team braucht, hat im Home-Office leider schlechte Karten. Auch der gerne mal unterschätze Flurfunk, bei dem man doch so einiges über Strategien und Entwicklungen erfährt, fällt weg. Gelegentliche Abstimmungstelefonate oder Video-Meetings ersetzen das alles nicht. Bei aller Ruhe zum Arbeiten: Das Home-Office begünstigt das Vereinsamen. Im schlimmsten Fall kann das zum Karriereknick führen. Experten halten daher eine Begrenzung der Home-Office-Zeit auf zwei bis zweieinhalb Tage pro Woche sinnvoll, um den Rest der Zeit im Team zu verbringen.
  2. Starke Ablenkung im Home-Office
    Das Kind schreit, der Laubbläser vorm Fenster nervt, Postdienste und Paketboten geben sich die Klinke in die Hand, das Internet steht allzeit bereit und Freunde kommen spontan vorbei, weil man ja „Zuhause ist“: Der Ablenkungsfaktor am heimischen Schreibtisch ist nicht zu unterschätzen. Wenn man sich nicht selbst klare Regeln setzt, tut das niemand – mit entsprechenden Folgen für die Ergebnisse und die Produktivität. Also: Zeiten definieren und einhalten, Freunde auch mal vertrösten und den Nachbarn klarmachen, dass man gerne mal ein Paket entgegennimmt, jedoch nicht die Postzentrale ersetzen möchte.
  3. Fehlende Motivation
    Wenn da kein Team ist, das einen mitzieht, wenn man die Ergebnisse der Arbeit kaum sieht, weil der Blick fürs große Ganze fehlt, und wenn man ja „noch ewig Zeit“ hat und es deswegen nicht so drauf ankommt, wann man anfängt, fehlt irgendwann die Motivation.
    Soziale Kontrolle durch die Kollegen kann nerven, aber auch beflügeln: Teamgeist eben. Disziplin, enge Kontakte zu Kollegen und regelmäßiges Feedback können da helfen. Und auch, wenn es eigentlich niemand sieht: raus aus der Jogginghose, rein in die Business-Klamotten. Selbst zuhause: Manch einem verhilft das zu einer professionellen Haltung – im Wortsinn.
  4. Vorurteile
    Solange Home-Office in der Firma die Ausnahme und nicht die Regel ist, gibt es jede Menge Vorurteile gegenüber denen, die nicht jeden Tag auf der Unternehmensmatte stehen. „Lauer Job“, „zu wenig Engagement“ und „fehlender Karrierewille“ sind da nur einige. Helfen können klare Absprachen zu Zielen, Aufgaben und Erreichbarkeiten, eigene Disziplin und nicht zuletzt ein Umdenken bei den Vorgesetzten. Problematisch wird es allerdings, wenn man vor lauter Angst, als faul zu gelten, zu viel arbeitet. Klare Arbeitszeiten müssen in beide Richtungen funktionieren.
  5. Vermischung von Beruf und Privat
    Die Unterlagen liegen in der ganzen Wohnung, abends um sieben kommen noch Anrufe von Kunden und auch beim gemütlichen Fernsehabend kreisen die Gedanken noch um den Job? Wer im privaten Umfeld arbeitet, läuft Gefahr, keine klaren Grenzen zu ziehen – weder anderen noch sich selbst gegenüber. Auch und gerade Heimarbeiter brauchen einen definierten Feierabend und einen festen Platz zum Arbeiten.

Quelle: ingenieur.de